Schmerz — und Triggerpunkttherapie mit Botulinum - Ratgeber & Hilfe

Migräne- und Schmerztherapie Informationsportal der Sommerclinics Frankfurt

Schmerz dient als natürliches Warnsystem unseres Körpers, um eine schädigende Situation zu meiden. Akuter Schmerz ist daher ein wichtiger Schutzreflex wichtig. Ganz anders verhält es sich aber bei chronischen Schmerzen oder chronisch rezidivierend auftretenden Schmerzen. Diese treten unabhängig und abgekoppelt von auslösenden Reizen auf.

Ursache chronischer oder wiederholt auftretender Schmerzen ist eine veränderte Empfindlichkeit des Schmerzsystems: durch wiederholte Schmerzreize steigt die Schmerzantwort, das Nervensystem „lernt“ den Schmerz und reagiert auch auf kleinste Auslöser mit vermehrten Beschwerden.

Ein echter Teufelskreis beginnt, der die Lebensqualität der Patienten enorm einschränken kann.

Seit Mitte der 90ger Jahre mehren sich Hinweise über schmerzlindernde Effekte bei Botulinumbehandlungen.

Nach Injektion wird Botulinum von Nervenfasern aufgenommen.

Diese gezielte Aufnahme macht man sich seit fast vierzig Jahren in der Medizin zur Senkung der Impulsübertragung von Nervenfasern auf Muskeln zu nutze:

  • Botulinum senkt die Freisetzung der Überträgerstoffe aus der Nervenfaser, die Muskelfaser wird weniger aktiviert, der Muskel spannt sich weniger an.

Verspannte Muskelfasern führen zur Reizung von Schmerzfasern, die ihrerseits Transmitter (Überträgerstoffe) freisetzen und damit die Muskelkontraktion und den Schmerz verstärken. Es entsteht ein Schmerz-Verspannung-Schmerz-Teufelskreis.

Im Falle von Schmerzen durch überaktive Muskelfaser kann daher alleine die muskelrelaxierende Wirkung des Botulinums schon zur Schmerzsenkung beitragen:

Als ein weiterer schmerzstillender Effekt des Botulinums wird aber auch eine zusätzliche Verminderung der Freisetzung anderer Überträgerstoffe aus Nervenendigungen, die direkt an der Schmerzentstehung beteiligt sind, vermutet (antinozizeptiver Effekt).

Um diesen Effekt eindeutig zu beweisen laufen derzeit groß angelegte Studien zur Behandlung von Kopfschmerzpatienten, die in den USA 2008 erste positive Ergebnisse belegen konnten.
Derzeit gilt der Einsatz von Botulinum zur Schmerzbehandlung aber noch als „Heilversuch“, es besteht keine offizielle Zulassung für diese Indikation.

Das gute Ansprechen zahlreicher Patienten nach Versagen anderer Therapieformen rechtfertigt aber diesen Versuch.

Für welche Schmerzen eignet sich Botulinumtoxin?

Das myofasziale Schmerzsyndrom (MPS) ist durch akute und/oder chronische Schmerzen der Muskulatur und der angrenzenden Sehnen und Faszien charakterisiert. Die betroffenen Patienten leiden unter dumpfen bis brennenden Schmerzen sowohl in Ruhe als auch nach längerem Sitzen oder Liegen in der „Anlaufphase“.

Häufig findet man bei diesen Patienten sogenannte Myofasziale Triggerpunkte. Das sind überempfindliche, tastbar verhärtete Stellen in einem Muskel und dessen Faszie, die auf Druck schmerzhaft sind und von denen sowohl Schmerzen als auch funktionelle Störungen in einem größeren Areal ausgelöst werden können ('referred pain').

  • Solche Störungen sind neben schmerzhaften Verspannungen und Bewegungseinschränkungen zum Beispiel auch symptomatische Kopfschmerzen.
  • Triggerpunkte können im Nacken-Kopf- und Gesichtsbereich in allen Muskeln vorkommen. Besonders häufig findet man sie im Schulter-Nackenbereich.
  • Die Lokalisation erfolgt durch genaues Tasten und Beobachtung der Schmerzausstrahlung.

Interessanteerweise stimmen Triggerpunkte auffallend oft mit den von der klassischen chinesischen Medizin festgelegten Akupunkturpunkten überein. Die Behandlung dieser Triggerpunkte (zum Beispiel durch Akupunktur, Massagen oder auch Injektionen von örtlichen Betäubungsmitteln) ist ein schon lange bewährter Therapie-Ansatz, um Schmerzsyndrome zu verbessern.

Die Injektion von Botulinum in die Triggerpunkte ist ein neuerer Ansatz, der folgendermaßen funktioniert:

Da bei der Schmerzentstehung eine krankhaft gesteigerte Muskelaktivität ursächlich eine Rolle spielt, nutzt man einerseits die direkte muskelentspannende Wirkung. (s.o.) Gleichzeitig beeinflusst das Botulinum auch die Schaltstellen, die für die körperinterne Rückmeldung zur Muskelspannung verantwortlich sind, die Muskelspindeln. Wenn diese nach Botulinum-Gabe weniger feuern, können sich Triggerpunkte „entkrampfen“.

  • Kopfschmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Nach internationalen Richtlinien werden mehr als 200 verschiedene Formen unterschieden.
  • Die am häufigsten diagnostizierten Kopfschmerzformen sind die Migräne und der Spannungskopfschmerz.

Der Spannungskopfschmerz äußert sich durch dumpf-drückende Schmerzen im ganzen Kopf. Hier finden sich häufig begleitend muskuläre Dysfunktionen und Triggerpunkte im Kopf-Hals-Schulterbereich, die bei der Auslösung der Schmerzen mitbeteiligt sind.

Bei der Migräne kommt es attackenweise zu heftigen, meist einseitigem pulsierend-pochenden Kopfschmerzen. Dabei können auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Sehstörungen auftreten.

Bei der chronischen Migräne treten solche Schmerzattacken an mehr als 15 Tagen im Monat auf, aber auch Patienten mit geringerer Anfallsfrequenz empfinden die Erkrankung als extrem belastend.

Inzwischen existieren zahlreiche Medikamente zur Behandlung von Kopfschmerzen. Doch die Therapie ist nicht immer erfolgreich und führt auch oft zu Nebenwirkungen. So können zum Beispiel bei regelmäßiger Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen genau diese zu Kopfschmerzen führen.

Seit Oktober 2010 ist Botulinum (Botox®) für besondere Formen der Migräne in den USA und Großbritannien zugelassen. Es wurde ein auf der Triggerpunkt-Therapie basierendes Injektionsschema entwickelt. Es handelt sich um eine im Vergleich zu zahlreichen medikamentösen Therapien sehr nebenwirkungsarme Therapie-Alternative.

Weil das Botulinumprotein nicht als Tablette verabreicht werden kann,  wird mit genau geeichten Spritzen und sehr dünnen Nadeln in die entsprechenden Muskelpunkte injiziert. Dabei werden vorab die entsprechende Region und auch die Stärke der Behandlung festgelegt.

Die Spezialisierung der Praxis auf Botulinum-Therapien gewährleistet, dass neben der Behandlung der schmerzrelevanten Punkte auch die „ästhetischen Nebenwirkungen“ (da ja zeitgleich auch die Mimikfalten des Gesichtes beeinflusst werden) beachtet werden. Dadurch wird als angenehmer Nebeneffekt auch etwas fürs entspannte Aussehen erreicht. Weiterhin lassen wir, soweit nötig, Aspekte der Akupunkturlehre beim Auffinden der individuell passenden Punkte miteinfließen. Aufgrund seiner langjährigen Akupunkturerfahrung hat Herr Dr. Sommer hier ein spezielles Injektionsschema für die Praxis entworfen. Mehr als ein kleiner Nadelstich ist dabei nicht zu spüren. Gegebenenfalls kann das behandelte Areal im Anschluss gekühlt werden.

Nach unseren Erfahrungen sprechen ca. 2/3 der Patienten gut auf eine Schmerztherapie mit Botulinum an. Meist verschwinden die Schmerzen komplett oder die Anfallsfrequenz ist deutlich reduziert.
Mit dem Nachlassen der Botulinumwirkung nach drei bis sechs Monaten, kehren dann auch allmählich die Schmerzen wieder.

Nebenwirkungen sind bei vorsichtiger Dosierung nicht zu befürchten. Bei hohen Dosen können theoretisch Muskelschwächen auftreten. Bei Behandlung im Gesicht ist eine „Nebenwirkung“ das Verschwinden von Falten.

Die Unbedenklichkeit einer Langzeitanwendung von Botulinum ist durch langjährige Anwendung bei neurologischen Indikationen belegt.