Vermehrtes Schwitzen - Ratgeber & Hilfe

Hyperhidrose Informationsportal der Sommerclinics Frankfurt

Schwitzen ist eine normale wichtige Körperfunktion, die der Wärmeregulation über den Mechanismus der Verdunstungskühlung dient.

Als Hyperhidrose (steht für vermehrtes Schwitzen) wird eine Schweißproduktion definiert, die über das Maß, das zur Regulierung der Körpertemperatur notwendig ist, gesteigert ist.

Von einer vermehrten Schweißneigung sind ca. 0,5% der Bevölkerung betroffen.

Am häufigsten tritt das vermehrte Schwitzen umschrieben auf, betroffen sind vor allem Hand- und Fußflächen sowie die Achseln. Ebenfalls sehr häufig und störend kann vermehrtes Schwitzen aber auch im Gesicht und Nackenbereich sowie am Haaransatz sein.

Sehr viel seltener kann vermehrtes Schwitzen Zeichen einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung sein, z. B. bei Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen. In diesen Fällen tritt meist ein generalisiertes Schwitzen, also ein Schwitzen am ganzen Körper auf.

Therapie-Möglichkeiten bei vermehrter Schweißbildung

Operative Entfernung umschriebener Problemzonen mit SST (SkinSparing Technique)

Es stehen eine Reihe unterschiedlicher Therapiemaßnahmen zur Verfügung, die jedoch zum Teil nicht effektiv oder mit mit erheblichen systemischen oder anderweitigen Nebenwirkungen verbunden sind:

Psychovegetative Beeinflussung :

  • autogenes Training, Akupunktur etc.

Lokale Maßnahmen:

  • Antiperspirantien: lokale Anwendung von z.B. Aluminiumhydrochlorid; Nachteil: verursacht häufig Hautreizungen.
  • Iontophorese (Spezial-Wasserbäder mit elektrischem Strom): besonders geeignet für Hand- und Fußflächen; auch hier wird eine Blockade der Ausführungsgänge durch Ionen angenommen; Nachteil: an Axillen und Gesicht schlecht anwendbar.
  • Behandlung mit Botulinum A (Botox®).

Operative Therapie:

  • Früher Herausschneiden des betroffenen Areals, heute Saugkürrettage (s.unten) bzw. kombiniertes Vorgehen Saugkürettage und umschriebene Exzision.
  • In sehr extremen Fällen werden die Nervenzentren, die die Schweißdrüsen aktivieren, zerstört.

Man weiß heute, dass Botulinum vorübergehend die Aktivität der Nervenfasern stoppt, die die Schweißdrüsen aktivieren.

  • Dieser Effekt ist reversibel, d.h. die Wirkung hält für einige Monate.
  • Der erste Berichte zur Anwendung von Botulinum zur Hemmung vermehrten Schwitzens wurde 1996 publiziert.
  • Hieran anschließend konnte in zahlreichen Studien die Effektivität und Sicherheit dieser Therapie aufgezeigt werden.

Das Präparat Botox® ist für die Behandlung eines krankhaft vermehrten Schwitzens im Sinne einer Hyperhidrose seit 2003 in Deutschland  als Medikament zugelassen. Es hat als einziges Botulinum-Präparat die offizielle Zulassung für diese Indikation.

Bei der Behandlung wird zunächst das betroffene Areal markiert. Dann wird mit sehr feinen Nadeln im Abstand von je 2 cm ein kleines Depot mit ca 1-2 Einheiten Botulinum gesetzt. Pro Axille sind meist ca 50 Einheiten notwendig.

  • Die Einstiche sind sehr wenig schmerzhaft, meist ist keine lokale Betäubung notwendig.
  • Mit dem Wirkungseintritt ist zwischen 48 Stunden bis zu 7 Tagen zu rechnen.
  • Bei unzureichendem therapeutischen Effekt kann dann eventuell nachbehandelt werden.

Nebenwirkungen:

  • Kleinere Blutergüsse sind möglich, sonst treten keine wesentlichen Nebenwirkungen auf.
  • Mit Botulinum lassen sich auch Areale vermehrten Schwitzens im Gesichts- und Kopfbereich sehr gut behandeln, z.B. bei starkem Schwitzen auf der Stirn.

Um die Schweißneigung zu senken, kann versucht werden, operativ die Schweißdrüsen im betroffenen Areal zu entfernen. Die Schweißdrüsen sitzen als Hautanhangsgebilde unmittelbar unter der Haut in der darunter liegenden dünnen Fettschicht, der Subkutis.

Früher wurden daher in großen Schnitten ganze Hautlappen entfernt. Das Problem beim Herausschneiden des betroffenen Areals besteht in der zwangsläufigen Narbenbildung, die im Bereich der Axillen sogar zu Bewegungseinschränkungen führen kann.

In den letzten Jahren hat sich daher als schonenderes operatives Verfahren das Absaugen der Schweißdrüsen bewährt.

Hierzu wird das betroffene Areal in einem Test erst genau festgelegt. Anschließend erfolgt eine örtliche Betäubung mit einer speziellen Betäubungslösung, die das Unterhautgewebe optimal auf den Absaugvorgang vorbereitet (Tumeszenz-Technik).

  • Durch kleine Einstiche (ca. 3-4) können nun die Schweißdrüsen unter der Haut erst mit einem speziellen Instrument gelöst (abgeschabt) und dann im zweiten Schritt herausgesaugt werden.
  • Für eine Tag benötigt man noch einen Verband, dann geht es noch wenige Tage bis die Einstiche verheilt sind.
  • Mögliche Nebenwirkungen sind eventuell Hämatome oder ein vorübergehendes pelziges Gefühl der Haut.

Durch dieses Verfahren kann man in den meisten Fällen die Schweißneigung dauerhaft deutlich reduzieren. In seltenen Fällen kommt es nach einigen Monaten wieder zu einer Zunahme des Schwitzens durch ein Nachwachsen von Schweißdrüsen. Auch in diesen Fällen erreicht das Schwitzen aber meist nicht mehr den vorherigen Grad.

Hier muss eventuell nachoperiert oder ein anderes ergänzendes Behandlungsverfahren angewendet werden.

In 80% der Fälle führt die Axilläre Saugkurettage zu einer ausreichenden Reduktion der Schweißproduktion. In einigen Fällen klagen Patienten aber über das Fortbestehen einer erhöhten Schweißneigung in einem nun deutlich kleineren, aber dennoch störenden Areal.

Die Erklärung liegt darin, dass bei diesen Menschen in umschriebenen Arealen die Schweißdrüsen nicht unter der Haut im 'absaugbaren' Unterhautgewebe liegen, sondern in der Haut selber. Diese Drüsen können durch die Saugkurettage nicht erreicht werden.

Hier besteht einerseits die Möglichkeit, dieses kleine Gebiet mit einer vergleichsweise geringen Menge an Botulinum zu behandeln. Die Injektion stoppt für 8 bis 10 Monate die Restschweißproduktion, muss aber nach dieser Zeit erneut injiziert werden.

Für Patienten, die eine wirklich dauerhafte Beseitigung dieser Problemzonen wünschen, kann das Herausschneiden des betroffenen Hautareals eine Therapie-Option sein.

Bei der Skin-sparing Technique wird dabei das zuvor in einem Test das noch schwitzende Areal genau festgelegt und mit einer kleinstmöglichen Exzision entfernt.

Bei diesem Eingriff können auch nochmals die umgebenden Partien unter Sicht auf eventuelle Schweißdrüsen unter der Haut untersucht und diese gezielt entfernt werden. Anschließend wird der entstandene Schnitt mit speziellen Nahttechniken verschlossen.

Wichtig ist, den Schnitt möglichst klein zu halten, um die Unannehmlichkeiten großer Narben zu verhindern, also 'hauterhaltend' (skin-sparing) zu operieren. Daher ist die Kombination mit einer vorangehenden Saugkurettage sinnvoll.