Dick und krank durch Plastikflasche und Kassenbon?

Für Sie gelesen – Neuigkeiten aus anderen Teilen der Medizin:

Die internationale Endocrine Society hat Ende September 2015 die Executive Summary ihres zweiten Berichts zu sogenannten EDCs (endocrine disrupting chemicals) veröffentlicht.*

Dick und krank durch Plastikflasche und Kassenbon?

Bei EDCs handelt es sich um chemische Stoffe, die den Hormonhaushalt beeinflussen und so die Gesundheit schädigen können. Bekannter Vertreter ist zum Beispiel Dioxin. Obwohl viele Substanzen dieser Stoffklasse mittlerweile verboten sind, lassen sich die Verbindungen immer noch in der Umwelt nachweisen. Ihre hohe Persistenz führt dazu, dass wir über Wasser, Luft und Nahrung weiterhin diesen Stoffen ausgesetzt sind.

Andere EDCs wie Bisphenol A (BPA) gelten derzeit (noch) als relativ unbedenklich und kommen daher in zahlreichen Gegenständen des täglichen Gebrauchs vor. Da BPA zur Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat dient, ist es beispielsweise in Plastikgeschirr und Getränkeflaschen enthalten, ebenso wie in Thermopapiere für Kassenbons, Fahrkarten und Parktickets.

Lebenslange Effekte: Besonders gefährlich ist eine EDC-Exposition während kritischer Zeitfenster für die Entwicklung, bei Kindern, während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt. Weltweit sind etwa 42 Millionen Kinder unter 5 Jahren übergewichtig. Inwieweit EDCs daran schuld sind, lässt sich kaum sagen, doch infolge des Übergewichts steigt bei diesen Kindern nicht nur das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, sondern auch für Diabetes mellitus. Weitere Einflüsse wurden auf Schilddrüse und Geschlechtsorgane nachgewiesen.

EDCs stehen schon lange im Verdacht, die männliche und weibliche Fruchtbarkeit zu verringern. Bei Paaren mit Kinderwunsch könnte es daher sinnvoll sein, auch über die potenziell reproduktionstoxischen Wirkungen von EDCs aufzuklären. Inzwischen wird sogar ein möglicher Zusammenhang zum Auftreten hormonsensitiver Tumore vermutet, wie Brust-oder Ovarialkrebs bzw. Prostatakrebs beim Mann. Ab welcher Konzentration hormonell wirksame Substanzen gesundheitsschädlich sind, kann derzeit wohl niemand mit Sicherheit sagen.

Eines scheint jedoch klar: Je weniger EDCs wir ausgesetzt sind, umso besser. Plastikflaschen also besser meiden!

*Quelle: “Executive Summary to EDC-2: The Endocrine Society‘s Second Scientific Statement on Endocrine-Disrupting Chemicals” A. C. Gore, V. A. Chappell, S. E. Fenton, J. A. Flaws, A. Nadal, G. S. Prins, J. Toppari, and R. T. Zoeller